Air Berlin und die Folgen

+++ Nach dem Insolvenzantrag: Bleibt Air Berlin selbstständig? +++
+++ BER/Air Berlin +++
TXL-Volksentscheid +++

Quo vadis Air Berlin?


Guten Tag,

seit dem Insolvenzantrag von Air Berlin vom 15.08.2017 stellen sich diverse Fragen. Erstaunlich ist der Zeitpunkt des Insolvenzantrags, mitten in der Urlaubszeit. Obwohl die Airline schon lange kriselte, wirkt dieser Ablauf fast wie gegriffen.

Außenminister Sigmar Gabriel sprach angesichts von täglich ca. 100 000 Air Berlin-Passagieren, deren Beförderung ohne einen Kredit der Bundesregierung in Frage gestanden hätte, von der "Größenordnung einer nationalen Krise". Was ist dran an dieser Dramatisierung oder sollte hier bewusst Druck aufgebaut werden, um einer Übernahme durch Lufthansa, Easyjet und Tuifly den Weg zu ebnen?

+++ Nach dem Insolvenzantrag: Bleibt Air Berlin selbstständig? +++

Nun ist mit dem Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl (Nürnberger Flugdienst, LTU, Germania, Deutsche BA) ein weiterer Bieter hinzugekommen, der Air Berlin als Ganzes erhalten will und der eine vermeintliche Bevorzugung von Lufthansa durch die Bundesregierung scharf kritisiert, da die dann weiter ausgreifende Marktmacht von Lufthansa weder im Interesse des Wettbewerbs noch der Passagiere läge.

Aber wird Wöhrl Chancen haben? Eine Airline dann ohne Schulden, mit einem gut nachgefragten Netz (zuletzt 87% Auslastung), mit wertvollen Strecken und Slots, mit gutem Personal – wer wollte das nicht. Auch Lufthansa und Easyjet spekulieren so, allerdings verbunden mit einer Zerlegung der Airline, Abschaffung des Namens und Verwendung von Slots für ganz andere Strecken.

Das Ergebnis ist nicht abzusehen. Wenn Wöhrl genug Geld findet, den Überbrückungskredit flott zurückzahlt, dann gelingt ihm vielleicht ein weiterer Coup. Die Erfahrung mit so etwas hat er ja ….
 
+++ BER/Air Berlin +++

Und was ist mit dem BER? Wird der überflüssig, wenn mit Air Berlin ein Drittel des Verkehrs entfällt? Was wird aus dem Ziel, TXL offenzuhalten, wenn der große Carrier in Tegel entfleucht?

Die Erfahrung zeigt, dass es eine kleine Nachfragedelle geben wird, wie bei 9/11 und bei der Lehman-Krise, und dann geht das Wachstum weiter. Diese Delle könnte etwa ein Jahr Wachstums-Stop ausmachen, aber das wäre es dann schon auch gewesen. Und so ein Stop würde korrelieren mit einem weiteren Jahr Verspätung des BER, die ja schon „eingepreist“ ist.

Schon im September 2012, 3 Monate nach der geplatzten Eröffnung des BER, sagte Ministerpräsident Matthias Platzeck "Eine nochmalige Verschiebung können wir uns auch für das Image des Landes nicht leisten." Interessant, was das Image eines Landes alles aushalten muss und offenbar kann. Denn der Brandenburger Flughafenkoordinator Bretschneider sagte kürzlich bei einer Veranstaltung der Berliner SPD "Sie können sich selbst einen Reim darauf machen, ob der BER 2018, 2019 oder später eröffnen wird." Wir waren bei der SPD nicht vor Ort, machen uns aber trotzdem einen Reim.

Vor 2020 wird das nichts. Selbst wenn der Flughafenchef Prof. Dr. Engelbert Lütke Daldrup am 2.8., also vor zwei  Wochen, verkündete, "Wir sind in der Inbetriebnahme-Phase und nicht mehr in der Bauphase". Das ist lustig, denn der zwingend notwendige Umbau der 2,5 km langen neuen Sprinklerrohre quer durch das Hauptgebäude ist noch nicht einmal zu Ende geplant. Und wenn man sich also eigentlich noch in einer Teil-Planungsphase befindet, kann man 2018 und 2019 getrost in den Wind schreiben.

Was bedeutet das für Air Berlin oder einen Nachfolger? Man ist erst einmal unerbittlich auf dem überfüllten Flughafen TXL festgenagelt. Genauso wie Ryanair und Easyjet unerbittlich auf den überfüllten Flughafen SXF gezwungen sind. Beides lässt darauf schließen, dass man dann nicht 2020 einen überfüllten Flughafen TXL durch ein überfülltes neues Terminal BER wird ersetzen können, um dann auch noch den zunehmenden massiven Überlauf aus SXF aufnehmen zu wollen. Das alles müsste dann noch für weitere 7 Jahre Berliner Luftverkehr ab heute gerechnet reichen, mit 2 Mio. Passagieren pro Jahr zusätzlich. Kommt da nicht eine Pleite von Air Berlin wie gerufen?

Nein, eine Pleite kommt nie wie gerufen. Besonders nicht, wenn Air Berlin durch die Verzögerungen des BER am stärksten getroffen wurde, weil ihr Umsteigekonzept seit 2012 auf einen funktionieren BER ausgerichtet war. Es sei die Frage erlaubt: Wann wird denn die Berlin-Brandenburger-Bund-Regierung als Gesellschafter des Flughafens anbieten, diesen zu Schaden ersetzen?

+++ TXL-Volksentscheid +++

Wie schon gesagt, der Verkehr wächst weiter. Deshalb brauchen wir ja auch weiterhin TXL. Berlin ist eine attraktive Stadt. Ein Jahr Verzögerung, diesmal auch auf der Nachfrageseite, kann locker verkraftet werden. Wir wünschen Herrn Wöhrl jedenfalls viel Erfolg. Es wäre gut, wenn der Name Berlin mit Air Berlin weiter in die Welt getragen werden würde.

ACHTUNG,  Berliner Briefwähler: Denken Sie bitte schon jetzt daran, Ihr TXL-Kreuz bei "JA" zu machen, auch wenn Sie zu Hause in aller Ruhe die Argumentation im Flyer des Regierungslagers gelesen haben, die hier zweimal, unter der Rubrik "Argumente des Abgeordnetenhauses", d.h. Argumente der Senatskoalition, und unter "Argumente des Senats von Berlin", aufgeführt ist, während die Befürworter von TXL nur einmal sprechen dürfen. Wir halten das für irreführend. Passend dazu bemerkte ein Flughafen-Insider: "80% der Aussagen von Rot-Rot-Grün sind unwahr." Und das wird auch durch eine Doppelung nicht besser.

Herzliche Grüße

Ihr Brennpunkt-BER-Team


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