airberlin ist Geschichte

+++ Monopol versus Wettbewerb +++ Luftfahrtstandort Berlin geschwächt +++

TXL: Am 27.10.2017, um 23:45, stellte airberlin mit dem aus München kommenden

Flug AB 6210 den Betrieb ein

 

Guten Tag,

am Abend des 27.10.2017 wurde in Tegel ein Flugblatt verteilt, auf dem zu lesen war, dass man um airberlin, "8.200 Mitarbeiter, 30 Millionen Passagiere, die Moral, die deutsche Infrastruktur, und die soziale Marktwirtschaft" trauern würde. Ein ironischer Dank wurde dem Kabinett Merkel und dem Vorstandsvorsitzenden der Lufthansa AG, Carsten Spohr, ausgesprochen, die nun endlich ihren nationalen Champion, vulgo ihren Monopolisten, Lufthansa geschaffen hätten.

+++ Monopol versus Wettbewerb +++

Von insgesamt 144 AB-Maschinen gehen zwar 25 Flugzeuge samt der entsprechenden Slots (Start- u. Landerechte) an easyjet, aber das macht die restliche Beute für Lufthansa/Eurowings und die daraus erwachsende strategische Bedeutung auch nicht geringer. Eurowings versucht nun die airberlin-Besatzungen zu wesentlich verschlechterten Vertragsbedingungen (und Stationierung in Stuttgart, Köln oder Hamburg) anzuheuern bzw. sie mutmaßlich unter Druck zu setzen, in das neue Unternehmen zu wechseln.

Aber zunächst ereignete sich Erstaunliches: Bereits am Tag der Verkündung der Insolvenz stellte der Bund flugs einen "Überbrückungskredit" von 150 Mio. Euro mal so eben bereit – in einer Eile, die in solchen Fällen sonst undenkbar ist. Und gleich dazu verkündete auch die Noch-Wirtschaftsministerin Zypries, der Kredit könne ja aus dem Verkauf von Slots zurückgezahlt werden. Auch erstaunlich: Lt. EU-Richtlinie 95/93 sind Slots nicht käuflich und also auch nicht verkäuflich. Aber eine Ministerin muss ja nicht alles wissen …

Schon früh entstand der Eindruck, dass im Bieterverfahren um die airberlin-Insolvenzmasse Angebote zur Komplettübernahme des Unternehmens nicht erwünscht waren und nicht zum Zug kommen würden. Kein Wunder, denn LH-Chef Spohr hatte schon früh zusammen mit der Bundeskanzlerin Etihad Airways als airberlin-Mehrheitseigentümer davon überzeugt, doch mal eben die 2 Mrd. Schulden zu übernehmen, die AB angehäuft hatte. Bei der Gelegenheit wurde auch gleich noch dem airberlin-Chef Winkelmann, früher – Sie raten richtig, bei Lufthansa tätig – sein Gehalt für die volle Vertragsdauer zugesichert, egal, ob AB Pleite gehe oder nicht.

Einen negativen Höhepunkt bildete wie schon so oft das inkompetente Handeln des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Michael Müller, der sich schon sehr früh auf eine airberlin-Übernahme durch die Lufthansa AG festgelegt hatte und sich damit gegen den Weiterbetrieb eines bedeutenden Berliner Unternehmens aussprach. Ein absurder Vorgang, der für eine strategische Blindheit sondergleichen steht. Auch Müllers nachgelieferte Krokodilstränen ("Air Berlin war immer ein toller Botschafter") können an dieser Bewertung nichts ändern.

+++ Luftfahrtstandort Berlin geschwächt +++

Neben Frankfurt, München, Wien, Zürich und Brüssel wird es nun kein weiteres Lufthansa/StarAlliance-Drehkeuz in Berlin geben, sondern nur diverse Zubringer zu den schon bestehenden Hubs. Ein Sachverhalt, dessen Auswirkungen überhaupt noch nicht abzusehen sind. Interessant der Grund, den LH-Chef Spohr hierfür nannte: Der neue Flughafen BER sei zu klein für ein derartiges Unterfangen. Der Luftfahrtstandort Berlin wird durch die Abwicklung von airberlin jedenfalls weiter geschwächt werden.

Aber das passt im Negativen zu der flughafenfeindlichen Politik von Rot-Rot-Grün in Berlin und der Monopol-orientierten Politik des Bundes. Es ging ja auch nur um "8.200 Mitarbeiter, 30 Millionen Passagiere, die Moral, die deutsche Infrastruktur, und die soziale Marktwirtschaft" - und ein wichtiges Berliner Unternehmen. Wir meinen, der Staat hätte sich aus diesem fragwürdigen Deal heraushalten sollen, anstatt ihn zu befördern.

Herzliche Grüße

Ihr Brennpunkt-BER-Team


P.S.

Am 30.10.2008 wurde der Flughafen Tempelhof geschlossen. THF wurde schlechtgeredet und wahrheitswidrig zum rechtlichen Hindernis für den BER erklärt. Dasselbe wird nun seit vielen Jahren mit TXL gemacht. Der bisher schon entstandene Schaden ist immens, aber die Politik gibt sich weiterhin beratungsresistent.

Am Ende des Newsletters - auf www.brennpunkt-ber.de - finden Sie eine einfach zu handhabende Kommentarfunktion.


twitter.com/brennpunktber

© DTT 2017. Alle Rechte vorbehalten. Direkte und indirekte Textzitate sind nur mit einer vollständigen Quellenangabe zulässig.

Text & Redaktion:
Wolfgang Przewieslik
Yorckstr. 74
10965 Berlin

wolfgang.przewieslik@brennpunkt-ber.de
www.brennpunkt-ber.de
 


 

Kommentare

Die eindrucksvollen Bilder von der Landung des letzten AB-Fliegers erinnerten doch sehr an den Tag der Schließung des Flughafens Tempelhof. Insofern kann ich die Trauer der Beschäftigten und Freunde von Air Berlin durchaus nachvollziehen. Das ist ein Augenblick, der dem Betrachter auch menschlich nahe geht. Sicher war Air Berlin in der Endphase keine Airline mehr, die ohne großen Investor an ihrer Seite wirtschaftlich zu Betreiben gewesen wäre. Dennoch überrascht etwas die Kaltschnäuzigkeit, mit der das Unternehmen am Ende demontiert wurde.

Bei einer Bundesregierung, die in globalen Perspektiven denken muss, kann man dies auch noch irgendwie nachvollziehen. Aber gerade von der Landesregierung in Berlin hätte man doch mehr Einsatz und Engagement erwartet. Es hat sich wieder einmal gezeigt: Berlin hat zwar eine riesige und unfertige Flughafen-Baustelle, ist aber alles andere als ein führender Luftverkehrs-Standort. Und wird es auch niemals werden.

Das Gute an Bürgermeister Michael Müller ist, dass er niemanden mehr wirklich enttäuschen kann, da keiner noch etwas von ihm erwartet. Herr Müller ist in gewisser Hinsicht der ehrlichste Bürgermeister, den wir je hatten. Er ist blass, er leistet nichts, er ist eben nur Bürgermeister, das muss reichen. Und wenn Herr Müller jetzt das „solidarische Grundeinkommen“ fordert, passt das auch irgendwie ins Bild. Ihn interessiert anscheinend nur der bloße Wählerkauf. Was er nicht kaufen kann, das ist für ihn auch nicht wichtig.

Die „Erfolgsstory“ des BER ist so um einen weiteren Tiefpunkt reicher. In gewisser Hinsicht vereinfacht das Ende der Air Berlin auch die Entwicklung. Von einem globalen Drehkreuz am Standort Berlin ist endgültig nicht mehr die Rede. Die Hauptstadtregion bekommt am Ende einen erweiterten Zuliefer-Flughafen für die großen Drehkreuze. Für das Berlin eines Michael Müller ist das allemal ausreichend.

Neuen Kommentar schreiben

Plain text

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
CAPTCHA
Diese Frage hat den Zweck zu testen, ob Sie ein menschlicher Benutzer sind und um automatisierten Spam vorzubeugen.
Bild-CAPTCHA
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.