Die Berliner Flughafenpolitik - am Beispiel von Tempelhof

 

Guten Tag,

es ist eigentlich nur eine kleine Meldung und noch dazu eine, die zeigen soll, wie es geradezu atemberaubend in Berlin vorangeht: "Der Senat gibt 120 Mio. Euro frei, um das Gebäude des Flughafens Tempelhof zu sanieren", nur für die dringendsten Maßnahmen, nicht für einen kompletten Ausbau.

Wir von "Brennpunkt BER", früher einmal "Das Thema Tempelhof", reiben uns verwundert die Augen. Aber mitten im Reiben werden wir unterbrochen von der rbb-Abendschau, wo der Chef der Berliner Messegesellschaft verkündet, man könne an einen "Kongressflughafen" denken, eine perfekte Kombination mit dem Messe- und Kongressgeschäft. Auch ein "Wirtschaftsflughafen" sei denkbar, für Start-ups, Forschung und Produktion.

Wir erinnern uns:

2008  haben die ICAT und 529.880 Berliner Bürger und auch wir dafür gekämpft, den Flughafen Tempelhof in Betrieb zu halten. Es gab Angebote aus New York, im Gebäude eine internationale Klinik einzurichten. Damals sagte Klaus Wowereit, einst Regierender Bürgermeister, "die reichen Onkels aus Amerika brauchen wird nicht". Der Flughafen machte damals angeblich 10 Mio. Verlust pro Jahr, wobei der Flugbetrieb kostendeckend war, aber das riesige Gebäude, dessen Büroteil weitgehend mit dem Flugbetrieb nichts zu tun hatte, nicht.

Der Volksentscheid war nicht erfolgreich, weil zwar 60% zugestimmt hatten, aber das Quorum nicht erreicht wurde. Der Flughafen wurde am 30. Oktober 2008 geschlossen, spätere Pläne des Senats für eine Bebauung mit Wohnungen per Volksentscheid gestoppt. Also stiegen Drachen auf und Radfahrer fuhren herum. Von beiden Verkehrsarten gab es dort einen Todesfall, während der Linienflugbetrieb seit 1949 bis zur Schließung 2008 ohne Todesfälle erfolgte.

Man hätte, neben der Klinik, die Messe einziehen lassen können, man hätte Klinik und Messe mit eigener Runway gehabt und somit eine Sonderstellung auf der ganzen Welt. Heute nennt man so etwas "Unique Selling Point". Aber dazu hätte man Weitsicht, Mut und die Fähigkeit zu unternehmerischem Handeln besitzen müssen – wofür es aber leider neben einer luftfahrtfeindlichen Ideologie keinen Platz gab.

Wir nehmen das Augenreiben wieder auf. Eine Gruppe von Interessierten will im Juni aus Anlass "70 Jahre Luftbrücke" über 40 alte "Rosinenbomber" der Typen C-54 (DC 4) und C-47 (DC 3) aus der ganzen Welt zusammentrommeln. Unter größten Mühen werden die betagten Flugzeuge nach Berlin fliegen. Und man fragte an, ob man nicht in THF mit Sondergenehmigung landen könnte. Nein, nein, wurde erschreckt vom Senat abgewunken, denn dort fürchtete man sicher schon Revisionisten, die gleich wieder den Flugbetrieb aufnehmen wollten. Und nun dürfen die "Amerikaner" in der ehemaligen Sowjetzone landen, ausgerechnet, und dann noch möglichst weit weg, am A …. der Welt, in Schönhagen. Ein wirklich schöner Dank des Berliner Senats an die Flugzeuge, die Berlin das Überleben gerettet haben.


Flughafensalat

Wir reiben stärker, und eine Träne nestelt sich nach unten. So wird in Berlin ein einmaliges Ereignis behandelt. Da fehlen weitere Worte, wie auch zu dem seit Jahren andauernden - und von uns prognostizierten - BER-Desaster.

Herzliche Grüße

Ihr Brennpunkt-BER-Team

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Text & Redaktion:
Wolfgang Przewieslik
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