Ein offenes Geheimnis: Der BER löcherig, wie ein Schweizer Käse

+++ Offenes Geheimnis +++ "Havariefreie Inbetriebnahme des BER" +++ Grundproblem Politik +++

BER-PR 2012: Die Zukunft bleibt immer wieder in der Vergangenheit stecken


Guten Tag,

nun hat es am 23.11.2017 aber mächtig im Blätterwald gerauscht, nachdem der Tagesspiegel um 08:43 den Artikel "Geheimer Tüv-Bericht zum BER offenbart bisher unbekannte Mängel" herausbrachte.


+++ Offenes Geheimnis +++

Die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB) ließ sich nicht lange lumpen und zog dann um 13:59 mit der Pressmitteilung "TÜV-Berichte weder streng geheim noch unbekannt" nach und benannte darin die folgenden "wesentlichen Mängel", die aus internen, aber nicht geheimen Statusberichten stammen würden:

• Brandmeldeanlage (BMA), hier im Main Pier Nord die BMA 61
• Elektroakustisches Notrufwarnsystem (EANWS), hier der Bereich Main Pier Nord
• Sicherheitsbeleuchtung als Teil der Sicherheitsstromversorgung im Main Pier Nord
• Sicherheitsstromversorgung im Main Pier Nord (Bericht noch in der Erstellung)
• Entrauchungssteuerung (ÜSSPS), hier das Segment 1
• Sprinkleranlage

Laut Tagesspiegel konstatiert der untersuchende TÜV Rheinland teilweise "sytemische Mängel", die Frage ist nur, wen das noch nach einer jahrelangen BER-Geschichte des Schönredens und der Falschangaben überraschen soll.

Verwundern muss jedoch, dass diese massiven Probleme nach der jüngsten FBB-Aufsichtssitzung am 17.11.2017 weder detailliert angesprochen noch ihr Risikopotential offengelegt wurde, obwohl der TÜV Rheinland seinen verheerenden Prüfbericht schon am 02.11.2017 vorgelegt hatte. Man kann vermuten, dass auch während der AR-Sitzung von dem Bericht keine Rede war. Gehört es aber nicht zu den Pflichten einer Geschäftsführung, den Stand der Dinge dazulegen – noch dazu einen derart katastrophalen? Oder reicht es aus, über eine Kabinenbahn der geplanten Airport-City für 2040 zu schwadronieren? Ja sicher, „Airport-City“. Der Flughafenchef ist schließlich gelernter Stadtplaner.

+++ "Havariefreie Inbetriebnahme des BER" +++

Stattdessen ergingen sich der FBB-Aufsichtsratsvorsitzende Rainer Brettschneider und der FBB-Geschäftsführer Engelbert Lütke Daldrup in der Pressemitteilung vom Tage in kabarettreifen Formulierungen. Brettschneider: "Das vorrangige Ziel unserer Arbeit bleibt nach wie vor die schnellstmögliche und havariefreie Inbetriebnahme des BER." Lütke Daldrup: "Der Masterplan 2040 ist im Aufsichtsrat auf breite Zustimmung gestoßen. Die hohe Qualität des Masterplans ist auch von Experten des Flughafens Zürich bestätigt worden ..."     

Man möchte gar nicht mehr nachfragen, ob es denn eine "havariebelastete Inbetriebnahme des BER" überhaupt geben könnte und ob daher die "Havariefreiheit" einer Flughafeninbetriebnahme nicht doch selbstverständlich und verpflichtend sei. Auch leuchtet die Bezugnahme auf "Experten des Flughafens Zürich" selbst nach mehrmaligem Lesen nicht ein.    

Und wenn gar nichts mehr hilft, wird, FBB-Pressemitteilung 23.11.2017, nebulös auf "Fehler der Vergangenheit" hingewiesen. Wir haben es aber offenbar mit einer Vergangenheit zu tun, die nicht enden will. Die FBB-PM verrät uns noch Folgendes: "Der im September vorgelegte Rahmenterminplan zur baulichen Fertigstellung bis zum 31.08.2018 ist ambitioniert und wurde bewusst ohne Puffer geplant. Es bleibt dabei: Am 15. Dezember werde ich dem Aufsichtsrat einen unternehmerisch verantwortlichen Termin zur Inbetriebnahme vorschlagen", sagt Prof. Dr.-Ing. Engelbert Lütke Daldrup, der Vorsitzende der Geschäftsführung. Auch diese Worte sind wohl bewusst ohne Puffer gewählt worden.

+++ Grundproblem Politik +++

Das Grundproblem des BER wird durch diese inhaltslosen Sätze erneut deutlich, denn schon seit vielen Jahren bestimmen politisch abhängige Funktionsträger die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB). Mangels vorzeigbarer Ergebnisse und aufgrund eigener Inkompetenz kann daher "unternehmerische Verantwortung" auch nur behauptet werden.

Einen großen Anteil am BER-Desaster haben aber auch die in der aktuellen Berliner Senatskoalition vertretenen Parteien SPD, Die Linke und die Grünen, die schon seit über einem Jahrzehnt mit den Geschicken des BER verbunden sind. Der nächste Enthüllungsbericht wird also nicht lange auf sich warten lassen, da die Projekt-Strukturen des BER einfach nicht stimmen, die Politik aber kein Interesse daran hat diese zu ändern.

2000 Tage Nicht-Eröffnung des BER. Liebe Leser, halten Sie kurz inne. Was wäre gewesen, wenn der BER in Betrieb gegangen wäre, TXL geschlossen, SXF-Nord abgerissen, und man dann die voraussichtlich acht Jahre Reparatur bei laufendem Betrieb eines total überfüllten Flughafens hätte erledigen müssen? Ist es nicht eher ein Glück, dass der BER nicht in Betrieb ging?

Aber wann kommt die ominöse Eröffnung? Der Tagesspiegel ventiliert jetzt 2021. Oder wird Siemens-Chef Josef Käser Recht behalten, der 2013 "Gelassenheit" für 5 bis 10 Jahre, also bis 2023 anmahnte? Die Datumsbestimmung gleicht immer mehr dem Blick in die Glaskugel. Und das ist jetzt ganz "ohne Puffer" gesagt.

Herzliche Grüße

Ihr Brennpunkt-BER-Team




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Text & Redaktion:
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