Auf Wiedersehen!

+++ Letzter Brennpunkt BER +++

Mit der Schließung von Tempelhof am 31. Oktober 2008 begann die Berliner Flughafenkrise. Unsere Fotomontage zeigt einen realen Kofferanhänger aus dem Mai 1971. Der Flughafen Tempelhof trug selbstverständlich das IATA-Kürzel THF, aber die angeflogene Stadt hieß Berlin. Zufällig entstehende Ähnlichkeiten mit einem desaströsen Flughafenprojekt Namens BER sind unzulässig, da THF eben 85 Jahre lang funktionierte und der BER bis auf weiteres noch nicht einmal offen ist  


Guten Tag,

wir würden jetzt sehr gerne nur auf Wiedersehen sagen, und uns für die vielen Jahre des gemeinsamen Kampfes für eine pragmatische und am Gemeinwohl orientierte Berliner Flughafenpolitik bei allen Mitstreitern und Interessierten bedanken, immerhin haben wir seit 2007 publiziert. Das tun wir hiermit natürlich sehr gerne, aber da das Aber sehr schwer wiegt, wollen wir das auch gerne noch einmal ausführlich begründen.

Bürgergesellschaft und Sachverstand egal

Für uns war das Flughafenthema immer ein Fallbeispiel für das Versagen der Politischen Klasse - und kein technisches Thema. Eine abgerockte Berliner SPD, die der Stadt einst einen Ernst Reuter und einen Willi Brandt geschenkt hatte, quälte Berlin in den Jahren 2001 ff. mit einem Klaus Wowereit und einem Michael Müller, die uns in Kumpanei mit ihren Dunkelroten Koalitionspartnern klarmachen wollten, dass der Flughafen Tempelhof böse bzw. überflüssig sei.

Der heute amtierende Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, war Ausputzer Wowereits seit 2006 und gehörte zu den Mitbegründern eines "Bündnisses für ein flugfreies Tempelhof", dem u.a. auch die Berliner Arbeiterwohlfahrt (AWO), eine vermeintlich gemeinnützige Organisation, angehörte, die meinte, dass der Flughafen Tempelhof aus Gründen der "sozialen Gerechtigkeit" geschlossen werden müsste.

Und die Dunkelroten ließen sich nicht lumpen und ernannten THF zum vermeintlichen Ausgangspunkt für Direktflüge nach Lichtenstein (vulgo: Tempelhof wäre nur für flüchtige und fliegende Steuersünder gut), obwohl das winzige Lichtenstein nie einen Flughafen besessen hatte. Klassenkampf ist eben immer unappetitlich, sachlich wirr und irr. Die Berliner SPD der Jahre 2006 ff. störte das jedoch überhaupt nicht.

Klaus Wowereit hätte sich nach seinem Amtseintritt 2001 sogar positiv in die Geschichtsbücher einschreiben können, wenn er denn die schon damals überholte Planung für den BBI (ab 2011 BER) vom Tisch genommen hätte. Die rechtlichen und politischen Möglichkeiten dafür hielt Wowereit fraglos in der Hand. Er befragte aber lieber die Akten seines Vorgängers Diepgen und machte dann weiter wie gehabt, und schwadronierte u.a. darüber, was denn passieren würde wenn ein Tempelhof-Flieger in Kleingärten stürzen würde.

Seine finale Unwahrheit ließ Wowereit 2008 jedoch zwei Tage vor dem ersten Tempelhof-Volksentscheid aus dem Sack, als er wahrheitswidrig behauptete, dass ein offener THF zu einem Baustopp des BBI/BER führen würde. Der damalige Senatssprecher reklamierte dann im Nachhinein etwas verlegen die "mordsmäßige Gefahr" eines BBI/BER-Baustopps, was aber offensichtliche keiner rechtlichen Kategorie entsprach.

Es kam dann wie es nach dem Willen der damaligen Rot-Dunkelroten Senatskoalition, die sich gerade einmal auf 44% der abgegebenen oder 25% aller Stimmen stützen konnte, kommen musste. Tempelhof wurde geschlossen und fiel damit als zukünftige Ergänzungs- oder Notfallkapazität aus.

Die Hauptstadtpresse bequemte sich dann schließlich ab 2014 dazu, die von uns schon seit 2007 benannte kapazitäre Unterdeckung des BER zu übernehmen. Und als Hartmut Mehdorn 2014 seinen Abschied als Geschäftsführer der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB) ankündigte, schrieb der Berliner Tagesspiegel, dass wohl der Technische Leiter der FBB den BER bis 2017 fertigbauen würde, was der dann aber erwartungsgemäß nicht tat. Die BER-Eröffnungsdaten fielen - samt des entsprechenden Personals - weiterhin wie die Dominosteine, was aber in der veröffentlichten Meinung nach wie vor keinen Widerhall fand.     
 
Rosinenbomber in Berlin unerwünscht     

Wir hörten ansonsten immer sehr viel über ein notwendiges Geschichtsbewusstsein. Bemerkenswerterweise gilt das offensichtlich nicht für die Berliner Luftbrücke, denn Rot-Dunkelrot-Grün verweigerte den zum 70. Jahrestag der erfolgreichen Beendigung der Berliner Luftbrücke am 12. Mai 2019 die Stadt besuchenden Rosinenbombern die möglichen Ausnahmegenehmigungen für Starts und Landungen in Tempelhof. Die Einflugroute des dann alleinigen Überflugs wurde nicht kommuniziert und der senatsnahe Tagesspiegel sprach fälschlicherweise davon, dass die Berliner an diesem Ereignis nicht interessiert gewesen wären.

Und noch heute erzählt Dunkelrot, dass die Aufgabe der Berliner Blockade, also die Aufgabe des Versuchs der sowjetischen Diktatur ca. 2,2 Mio. Westberliner 1948/1949 in Geiselhaft zu nehmen, eine humanitäre Geste gewesen sei. Tatsächlich mussten die Sowjets aber vor der rapide ansteigenden Lufttransportleistung der US-Amerikaner, Briten, Franzosen, Kanadier, Australier und Neuseeländer kapitulieren, die der bedrängten West-Berliner Bevölkerung zu Hilfe geeilt waren. Ohne Tempelhof hätte es keinen freien Teil Berlins und keine Wiedervereinigung geben können. Fakten, die in Berlin unter Rot-Dunkelrot-Grün unerwünscht sind und unsichtbar bleiben sollen.    
          
Berliner Flughafenpolitik: Schilfrohrbottiche auf Beton


Ein Sinnbild für die Berliner Flughafenpolitik: Schilfrohrbottiche auf Beton. Wir wollen aber nicht verschweigen, dass es in Tempelhof auch noch eine Minigolfanlage u.a. gibt, vielleicht demnächst auch in Tegel und auf dem BER

Wer Flughäfen denunziert, so wie es Wowereit, Müller & Co mit Tempelhof getan haben, und Parteibüchern immer Vorrang vor Sachverstand gegeben hat, darf sich selbstverständlich nicht darüber wundern, wenn sein eigenes Folgeprojekt scheitert. 2003 schmiss man Hochtief aus dem BBI/BER-Bieterverfahren raus, weil man es selbst, sprich die Öffentliche Hand, besser, schneller und billiger zu machen versprach.

Das Ergebnis ist 13 Jahre nach dem BER-Baubeginn im Jahr 2006 inzwischen hinlänglich bekannt. Der vorerst letzte Ritter von der traurigen Gestalt, der FBB-Geschäftsführer und SPD-Genosse Lütke Daldrup, beschwört nun pflichtschuldigst weiterhin den Oktober 2020 als BER-Eröffnungstermin. Das muss man ihm, der FBB und dem Berliner Senat jedoch nicht glauben.

Verblüffen tut es auch nach wie vor, dass Wowereit und Müller dieses Desaster über viele Jahre hinweg vor den Augen der Presse ins Werk setzen konnten. Mutmaßlich waren nicht alle Pressetitel immer so investigativ, wie sie es ansonsten gerne von sich selbst behaupten. Die Frage nach der politischen Verantwortung für diesen Skandal, der nun schon seit 2006 das Ansehen Berlins und Deutschlands auf das Schwerste beschädigt, wurde von einem Großteil der Hauptstadtpresse und der Bundesdeutschen Presse leider nie ernsthaft gestellt. Das bleibt als unser großes Aber leider bestehen.

Herzlichst

Ihr Wolfgang Przewieslik


P.S.

Die Domains das-thema-tempelhof.de und brennpunkt-ber.de werden von uns selbstverständlich gesichert, damit sie zukünftig nicht in unegale Pfoten geraten. Und weiterhin werden wir nach Möglichkeiten suchen, unsere Texte als Buch zu publizieren.  


twitter.com/brennpunktber


© DTT 2019. Alle Rechte vorbehalten. Direkte und indirekte Textzitate sind nur mit einer vollständigen Quellenangabe zulässig.

Text & Redaktion:
Wolfgang Przewieslik
Yorckstr. 74
10965 Berlin

wolfgang.przewieslik@brennpunkt-ber.de
www.brennpunkt-ber.de
 

Neuen Kommentar schreiben

Plain text

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
CAPTCHA
Diese Frage hat den Zweck zu testen, ob Sie ein menschlicher Benutzer sind und um automatisierten Spam vorzubeugen.
Bild-CAPTCHA
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.