BER-Zyklus: Termin beschwören, Termin relativieren, Termin absagen

+++ O-Töne-FBB-AR +++ BER-Zahlen +++ BER-Aussichten +++

2020: Erstes Flugzeug im BER


Guten Tag,

da wir immer noch ganz berauscht von der Pressekonferenz des Aufsichtsrats der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB) vom 4.5.2018 sind, haben wir uns wohl zu einer etwas kühnen Bildunterschrift hinreißen lassen. Aber Sie haben es bestimmt gleich bemerkt: Das Foto, die Jahreszahlen und die Aussage passen einfach nicht zueinander.

Unser Originalfoto stammt aus dem Jahr 2012, kurz nachdem wieder einmal ein vorher vielfach beschworener und vom damaligen FBB-Geschäftsführer Rainer Schwarz "garantierter" BER-Eröffnungstermin, nämlich der 3.6.2012, kurzfristig am 8.5.2012 abgesagt wurde, und es zeigt kein Flugzeug, sondern eine Hüpfburg, die im Mai 2012 für das "BER-Familienfest" aufgestellt wurde, und Air Berlin wird 2020 nicht im BER landen können, weil das Unternehmen bekanntlich im August 2017 Insolvenz anmelden musste, u.a. weil die BER-Eröffnung immer wieder ins Ungewisse verschoben wurde.

+++ O-Töne-FBB-AR +++

FBB-Geschäftsführer Engelbert Lütke Daldrup sagte der RBB-Abendschau: "Die Zeitpuffer sind auskömmlich und werden dazu führen, dass wir den (BER-)Termin im Oktober 2020 sicher einhalten werden."

Lütke Daldrups Vorgänger, Karsten Mühlenfeld, formulierte seine Ziele, laut Bild vom 27.4.2015, wie folgt: "Wir verfolgen den Zeitplan zur Eröffnung des Flughafens im zweiten Halbjahr 2017 sehr hartnäckig." Der angesprochene Zeitplan entzog sich dann fortan der Mühlenfeldschen Verfolgung und löste sich in Luft auf.

Der FBB-Aufsichtsratsvorsitzende Rainer Brettschneider erklärte schließlich in der aktuellen Pressemitteilung vom 4.5.2018: "Natürlich gilt unser Hauptaugenmerk nach wie vor der Einhaltung des Inbetriebnahmetermins im Oktober 2020. Hierfür müssen wir weiterhin mit Nachdruck eintreten."

Selbstverständlichkeiten, wie die Einhaltung eines vielfach beschworenen BER-Eröffnungstermins, und Absurditäten, wie das "nachdrückliche Eintreten" für den eigenen Arbeitserfolg, werden hier zum wiederholten Male als ehrenwerte Selbstverpflichtungen ausgegeben, die sich aber wohl erneut als pure Leerformeln erweisen werden. Insgesamt gleichen die ungelenken Formulierungen der FBB-Gremien seit Jahren eher lauten Selbstgesprächen als sinnvollen Aussagen. Aber auch das ist eine seit Jahren geübte Praxis und leider überhaupt kein Berichtsthema für die Hauptstadtpresse und den RBB, die jeden neuen BER-Eröffnungstermin an die Öffentlichkeit weiterreichen, als wenn es der erste wäre.  

+++ BER-Zahlen +++

FBB-Geschäftsführer Lütke Daldrup behauptete mehrfach, dass der BER von Beginn an über eine "ausreichende" Kapazitäten verfügen wird.

Es kommt aber darauf an, welche Nachfrage zu erwarten ist und was man als "ausreichend" bezeichnet. Die FBB sieht eine Nachfrage für 2020 bei 37 Mio. Passagieren. Andere Schätzungen sprechen eher von bis zu 42 Mio. Passagieren. Die FBB selbst hat erklärt (und in der Drucksache des Senats S18-10954 Pkt. 16 bestätigt), dass man zur Eröffnung 20% Reserven vorhalten wolle. Dieses wäre eine  Extra-Kapazität für 8 Mio. Passagiere. Diese Reserve ist definitiv nicht vorhanden, weder bei dem Ansatz der FBB-Prognose, noch erst recht nicht bei einer höheren Prognose. Insofern sind die Kapazitäten schon zur Inbetriebnahme nicht "ausreichend". Erst recht sind sie nicht ausreichend, wenn man bis 2025 ein Wachstum von jährlich 1,5 bis 2 Mio. Passagieren unterstellt.

Und wenn die Kapazität de facto eben nicht ausreicht, wird sie auf dem Papier generiert. So verkündete der FBB-Aufsichtsrat eine neue Nummerierung der BER-Terminals. Nun soll es fünf davon geben, T1 bis T5, von dem was heute vulgo der "BER" genannt wird (T1) bis SXF-Nord (T5). Bisher waren es vier, inkl. SXF-Nord. Eines, was bisher in keinem Plan verzeichnet war, ist dazugekommen, das T4, hinter dem T3 (bisher T2). So sieht es also aus, wenn die Kapazität "ausreicht". Was nicht passt, wird passend gemacht, wenigstens auf dem Papier. Außerdem wurde der Jahresabschluss 2017 verabschiedet - eine schlichte Selbstverständlichkeit.

+++ BER-Aussichten +++

Die FBB behauptet nun, dass die sogenannten Restarbeiten im BER bis zum Frühjahr 2019 ausgeführt werden könnten. Weiterhin wird aber kein exaktes Tagesdatum für die BER-Eröffnung "im Oktober 2020" genannt. Weiterhin ist unklar, ob der BER vor oder nach dem Einsetzen des Winterflugplans eröffnet werden wird.

Da zudem nach wie vor bezweifelt werden darf, dass die FBB auch 12 Jahre nach dem Baubeginn 2006 nun endlich über eine komplette BER-Baudokumentation verfügt, ist das erneute Auftauchen von bis dato unbekannten Baumängeln alles andere als unwahrscheinlich. Daher ist überhaupt nicht auszuschließen, dass im Herbst 2018 die BER-Eröffnung "im Oktober 2020" zunehmend relativiert und im Dezember 2019 dann abgesagt werden könnte. Anschließend wird der BER-Zyklus "Termin beschwören, Termin relativieren, Termin absagen" dann erneut beginnen.

Und kein Geringerer als Michael Müller erklärte im April 2015, "die nächsten 12 bis 14 Monate sind die entscheidenden, diese Katastrophe (den BER) endlich mal in Ordnung zu bringen." Nun, nachdem auch diese 14 Monate schon lange verstrichen sind, ohne dass eine entscheidende Besserung erzielt wurde, wird die Katastrophe BER offensichtlich nur noch verwaltet. Mit Bosch und Siemens wurden daher Konventionalstrafen für den Fall zusätzlicher Verzögerungen der Fertigstellung der Entrauchungsanlage vereinbart, flott "Bonus/Malus" genannt. Die anderen Dienstleister dürfen einfach weiter so vor sich hin werkeln. Man bereitet sich also offensichtlich auf die nächste Terminverschiebung vor.

Herzliche Grüße

Ihr Brennpunkt-BER-Team



twitter.com/brennpunktber


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Text & Redaktion:
Wolfgang Przewieslik
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