Das BER-Patchwork

Wenn kein Teil zum anderen passt

 

Szenenfoto aus: "AirRossini - Opéra oligarchique zu einer Flughafeneröffnung, den Eliten und uns", eine Produktion der Neuköllner Oper - noch bis zum 23.02.14. Einfach hingehen!

 

 

Guten Tag,

wenn es um den BER geht, reibt man sich zunehmend die Augen und überprüft sein Gehör.

Will man das alles überhaupt noch zur Kenntnis nehmen, was da auf einen einprasselt oder geht es einem nicht eher wie der Actrice der Neuköllner Oper, die ihre Hände verzweifelt zum Himmel reckt, während sich der dargestellte Geschäftsreisende wohl schon im Zustand der Schockstarre befindet.

Nein, hier handelt es sich nicht um die üblichen Probleme eines Großprojektes, sondern um ein handfestes - und leider auch schon vor 2012 absehbares - Desaster.

Die aktuelle Meldung dazu lautet, dass die Probezeit der BER-Planungschefin, die vormals für den Arbeitsschutz zuständig war, nicht verlängert worden ist, und sie daher schon zum 30.01.14 ausgeschieden ist.

Die kalauernde Gegenfrage dazu könnte lauten:

Was, die Flughafengesellschaft besaß/besitzt ein Planungs-Ressort? Nun ja, eine Neubesetzung dieser Position ist wohl auch offen.

Aber solange es noch Funktionsträger außerhalb der Politik gibt, die man entlassen bzw. deren Probezeit man nicht verlängern kann, ist offenbar alles gut.

Der Koch, sprich die Politik, gefällt sich immer mehr in der Rolle des Hintergangenen, will auf einmal nur der Kellner gewesen sein, und beklagt sich nun vermehrt über die mangelhaften Informationen der Flughafengesellschaft, die u.a. aus dem wortreichen Schweigen, der, seit dem 8. Mai 2013 amtierenden, Finanzchefin zu den BER-Kosten bestehen, wobei bezweifelt werden darf, dass das Gegenteil politisch erwünscht wäre.

So wird halt weiterhin hingehalten und mit dem Finger auf andere gezeigt.

Und der neueste Aufreger sind die Mehdorn-Pläne, den alten Schönefeld-Terminal als Standort f. d. Billigflieger zu erhalten. BILD nannte das einen "Geheimplan".

Nun frisst bekanntlich nicht nur der Teufel in der Not Fliegen, und so gesehen wäre die Umsetzung dieser Idee ein unzweideutiges Eingeständnis der hiesigen Politik, dass ihre Flughafenplanung gescheitert ist - falls nicht zum wiederholten Male stur auf die eigene Beschlusslage verwiesen wird, die das vermeintlich nicht zulassen würde.

Pikanterweise verwiesen die Berliner Piraten vor kurzem nebulös auf die in der Vergangenheit vergebene Chance SXF schrittweise auszubauen. Von uns darauf angesprochen, ob sie auch den damit verbundenen 24 h-Betrieb von Schönefeld unterstützt hätten, ernteten wir nur Schweigen.

Und jetzt macht Mehdorn offensichtlich den Piraten vor, was ein Freibeuter ist. Aber da in Berlin und Brandenburg viele Hasen des Hundes Tod sind, darf man auf die weitere Entwicklung gespannt sein.

Und wo kämen wir denn hin, wenn jeder noch so vernünftige Vorschlag umgesetzt werden würde?

Nein, das wird es wohl so schnell nicht geben. Somit ist das hiesige Flughafensystem zum Fallbeispiel für die Inkompetenz der Politik schlechthin geworden.

Herzliche Grüße

Ihr Brennpunkt-BER-Team
 


P.S.

Während Klaus Wowereit mit den aus der ganzen Welt eingeflogenen Berlinale-Gästen rumschäkert, ist bekannt geworden, dass der neue Tempelhof-Volksentscheid nun doch zusammen mit der Europawahl am 25.4.14 stattfinden soll. Wowereit, der ja nach eigenem Bekunden "kein Trickser", sondern "die Regierung" ist, will wohl mit dieser Entscheidung den Druck aus dem Kessel nehmen.   

 



Twitter: @BrennpunktBER

   


Text & Redaktion: Wolfgang Przewieslik

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Kommentare

Wenn die Pläne umgesetzt werden, Schönefeld-Alt als Billig-Terminal weiter zu betreiben, stehen wir sicher vor interessanten Verhandlungen zu den Flughafen-Entgelten.

Vom heutigen SXF fliegt die Easyjet so zu sagenhaften Vorzugskonsditionen, die vertraglich langfristig zugesagt wurden, und die durch die Überschüsse von Tegel subventioniert werden. Ich bin sicher, dass eine Easyjet liebend gern von dort weiter fliegen wird, aber nur zu den Entgelten, die sie auch heute zahlt. Umgekehrt sollen nur wenige Meter entfernt Lufthansa oder Air Berlin vom neuen BER-Terminal die ca. dreifach höheren BER-Entgelte für die gleiche Leistung zahlen: Starten und Landen vom neuen Hauptstadtflughafen. Die weitere Diskussion zwischen allen Beteiligten, verspricht lebhaft zu werden.

Auf jeden Fall zeigt der Vorschlag Mehdorns, dass das Kolossal-Projekt des neuen Hauptstadtflughafens in der ursprünglichen geplanten Form nicht mehr umsetzbar ist. Der Willy Brandt- Flughafen ist gescheitert. Am Ende werden wir einen Verhau von SXF und BER mit einer irgendwie zusammen gewurstelten genehmigungsrechtlichen Konstruktion sehen.

Ich denke, alle Beteiligten wollen nur noch ein Ende des Dramas sehen. Der Rausch ist verflogen, jetzt kommt nur noch die Beseitigung der Trümmer.

Es bleibt abzuwarten, wie die zahlreichen "Anti-Fluglärm"-Bürgerinitiativen auf die Entwicklung reagieren werden. Es gehört nicht viel Phantasie dazu, um sich vorzustellen, dass das absehbare Scheitern des BER für diese Kreise zum gewaltigen Motivationsschub werden wird.

Die Geister, die Wowereit mit der Denunzierung u. Schließung Tempelhofs rief, wird die ganze Region nicht mehr los werden. Er hat es also durch sein jahrelanges Missmanagement geschafft, Flughafenstandorte in Berlin und Brandenburg generell in Misskredit zu bringen.

Erschrecken muss einen aber nach wie vor auch, dass das alles seit Wowereits Amtsantritt 2001 möglich war - u.a. weil der Aufklärungsdrang der Presse doch zu jeder Zeit erstaunlich verhalten geblieben ist.

Ein desaströses BER-Zahlenwerk und nachgewiesene Freiflüge, die bei anderen Politikern zum sofortigen Rücktritt geführt hätten, perlten an Wowereit regelmäßig ab. Und wann Wowereit geht, wird nur er allein zu entscheiden haben.

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