Ist Hartmut Mehdorn an allem schuld?

Macht der BER noch einen Sinn?

 

Was kann Willy Brandt für diesen Flughafen-Torso?

 

Guten Tag,

zum einjährigen Dienstjubiläum Hartmut Mehdorns als Geschäftsführer der Flughafengesellschaft werden nun die vermeintlichen und tatsächlichen Fehler des Flughafenchefs genüsslich aufgelistet, obwohl allgemein bekannt ist, dass das BER-Desaster schon viele Jahre vor dem Amtsantritt Mehdorns begonnen hat.  

Vom damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Matthias Platzeck berufen, und vom Platzeck-Vorgänger und -Nachfolger Klaus Wowereit bestätigt, ist Hartmut Mehdorn nun offensichtlich als Sündenbock ausgeguckt, und nicht etwa die genannten Herren, die sich in der Vergangenheit gerne heiter oder nebulös zum BBI/BER äußerten.



Platzeck war sich z.B. 2010 sicher, dass "man ... jedenfalls auf keinen Fall um jeden Preis pünktlich sein muss - wir arbeiten ja mit öffentlichem Geld."

Und Klaus Wowereit versuchte 2010 jegliche Kritik am BBI/BER-Zeitplan mit dem launigen Hinweis abzuwehren, dass "die öffentliche Hand ja immer unter Generalverdacht steht, dass sie so etwas nicht hinkriegt!" - und sich diese vermeintlichen Schwarzseher noch wundern würden. Und an weiteren optimistischen Prognosen mangelte es ebenfalls nicht. So sagte der gleiche Klaus Wowereit 2010 zur B.Z.: "Sollte es aber eine Verschiebung geben, dann aber deutlich unter einem Jahr!"

Nach deutlich über einem Jahr ist Anfang 2014 der vermeintlich unberechtigte Generalverdacht zur unumstößlichen Gewissheit geworden:

Die Öffentliche Hand - und konkret der Regierende Bürgermeister von Berlin und Aufsichtsratschef der Flughafengesellschaft - sind mit einem Projekt von der Größenordnung des BER offensichtlich hoffnungslos überfordert.

Und es hat sich inzwischen schon vielfach bitter gerächt, dass mit dem Ausscheiden von Hochtief aus dem Bieterverfahren und dem Abbruch der Privatisierung des BBI/BER seit 2003 keine industrielle Projektleitung mehr gewährleistet ist. Die Geschäftsführer und Manager wechselten, Klaus Wowereit aber blieb sitzen.   

Der absurden Schließung Tempelhofs 2008 folgten seit 2010 vier absehbare Verschiebungen des BER-Eröffnungstermins, Kostensteigerungen von 2,3 Mrd. Euro auf aktuell über 5 Mrd. Euro, mindestens 17 Mio. Euro/Monat Unterhalt für den unfertigen BER, und der generelle Verzicht auf die Nennung eines neuen BER-Eröffnungstermins.

Zur unwirklichen Situation gehört es auch, dass Klaus Wowereit den ausgeguckten Sündenbock nicht, wie im Fall des Mehdorn-Vorgängers Schwarz, in die Wüste schickt, sondern ihn im Amt belässt, weil er sich mit der Entlassung des ehemaligen Hoffnungsträgers aktuell nur selbst schaden würde.

Demzufolge bescheinigte Klaus Wowereit Hartmut Mehdorn gönnerhaft, dass er "mit allen Kräften" für den Erfolg des BER "ackern" würde. Wie schon so oft wurde auch diese Äußerung mit einer aufgekratzten Unernsthaftigkeit begleitet, die das Gesagte umgehend in Frage stellte.

Der so Besungene äußerte sich dann reichlich konfus, als er gegenüber dem Focus davon sprach, dass "ein Hauptstadt-Airport ... 24 Stunden offen sein sollte ... Sollte es dennoch zum Nachtflugverbot (am BER) kommen, dann hätte man diesen Flughafen erst gar nicht bauen müssen." De facto wollte sich Mehdorn wohl, bei einer schon bestehenden Nachtsperre von 24 Uhr-5 Uhr, gegen eine von Brandenburg geforderte Ausweitung der Nachtsperre auf 22 Uhr-6 Uhr aussprechen.

Die Frage bleibt aber, ob der BER noch einen Sinn ergibt, da 2017 - im vermuteten Eröffnungsjahr - das hiesige Passagieraufkommen, mit einem Volumen von über 30 Mio., das genehmigte Volumen der BBI/BER-Planfeststellung überschreiten wird. Der BER wird dann auch seine eigene Kapazitätsgrenze erreicht haben, obwohl er doch laut Wowereit & Co das Wachstum für Jahrzehnte abbilden sollte!

Aber auch dafür kann Hartmut Mehdorn überhaupt nichts.

Herzliche Grüße

Ihr Brennpunkt-BER-Team

 


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Text & Redaktion: Wolfgang Przewieslik

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Kommentare

Hallo, Redaktion, das ist ein wirklich guter NL, der die Dinge genau auf den Punkt bringt. Hartmut Mehdorn zeigt sicher Schwächen im öffentlichen Auftreten, aber die gegenwärtig gegen ihn laufende Kampagne geht auch am Ziel vorbei. Er zeigt nur die politischen Schwächen des Projekts offen auf, für die eigentlich die öffentlichen Eigentümer die Verantwortung übernehmen müssten.

So ist Mehdorn heftig dafür für seine Aussage gescholten worden, dass der BBI als großer Hauptstadtflughafen eigentlich 24 Stunden geöffnet seien müsste, wenn er wirtschaftlich betrieben werden soll. Und da hat Mehdorn auch durchaus Recht. Nur ist dann der BER an einem völlig falschen Standort, nämlich in direkter Stadtrandlage in einem dicht bevölkerten Wohngebiet, gebaut worden. Bei der Standortwahl wurden seitens der Politik alle Aspekte eines betriebstechnisch und wirtschaftlich sinnvollen Betriebs völlig außer Acht gelassen. Anscheinend gingen die damals verantwortlichen Politiker nicht zu unrecht davon aus, dass sie bis zur Inbetriebnahme der BER ohnehin nicht mehr im Amt sind, und dass sich nur ihre Nachfolger mit den Problemen herumschlagen müssen.

Die Auflösungserscheinungen am BER passen irgendwie mit dem Behördenversagen um die illegale Flüchtlingsansiedlung am Oranienplatz zusammen. Der Rechtsstaat hat abgedankt, die politische Moral in Berlin ist am Boden, aber die Gesellschaft ist auch durchaus bereit, sich mit der Verwahrlosung abzufinden. Später einmal wird man diese Phase des sich abzeichnenden Niedergangs als die Ära „Wowereit“ bezeichnen. Materielle Statussymbole wie Stadtschlösser, Protzbibliotheken oder hippe Modemessen können den Verfall des gesellschaftlichen Fundaments auf Dauer nicht verhindern. Insofern ist der BER durchaus ein Stück Berliner Gegenwartskultur.

Wieder einmal ein exzellenter Artikel, der uns zeigt, dass Hartmut Mehdorn nur als Blitzableiter für ein gescheitertes Projekt dienen und von den eigentlich politisch Verantwortlichen ablenken soll.

Wäre sich Herr Mehdorn bei seinem Dienstantritt bewusst gewesen, wie es wirklich um dieses BER-Projekt steht, hätte er diesen Posten sicherlich nicht angenommen. Ich teile ebenfalls die Aufassung des Kommentators "Vielflieger" Die Ära Klaus Wowereit wird in der Berliner und Deutschen Geschichte als eine Ära des Versagens eingehen. Liebe BER-Newsletter-Redation bleibt weiter am Ball. Wir zählen auf Euch.

Ich möchte mal eine Gegenfrage zur Bildunterschrift stellen: Was kann eigentlich der Flughafen für dieses Drama? Er hat sich ja schließlich nicht selbst dorthin gebaut und verpfuscht. Aber am Ende ist er es, der die ganze Häme und den Hass abbekommt, während die menschlichen Verantwortlichen sich aus dem Staub machen. Er ist es, der am Ende abgerissen wird, wahrscheinlich noch unter Jubel, während die Öffentlichkeit nie die Namen derer erfahren wird, die das Projekt verbockt haben. Und ist das Symbol dann erst einmal verschwunden, kann Gras über die Sache wachsen - nur dass davon das verlorene Geld auch nicht zurückkommt!

Ich denke, W. Brandt wäre auch intelligent genug gewesen um hier differenzieren zu können und sich nicht durch diese Namenspatenschaft beleidigt zu fühlen.

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