Und wieder tagte der FBB-Aufsichtsrat

+++ BBI/BER-Baubeginn: 5. September 2006 +++

+++ Zeit und Geld +++ Alte Köpfe/Neue Köpfe +++ Kabel +++

Promotiontasse aus dem Jahr 2012, das Jahr der doppelten, aber nicht der einzigen, BER-Terminabsage (1999, 2004, 2007,2010, 2011, 2 x 2012, 2013, 2017, 2020?)

Guten Tag,

am 31.08.2018 tagte in Berlin-Tegel der Aufsichtsrat der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB). Verträge wurden verlängert (FBB-Geschäftsführer Engelbert Lütke Daldrup), neue angekündigt (FBB-Betriebsleiter Bau und Technik Carsten Wilmsen).

Alle freuten sich, Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider über die Vertragsverlängerung von Lütke Daldrup, und Lütke Daldrup über den neuen Betriebsleiter Bau und Technik. Und selbstverständlich wurde der vermeintliche BER-Eröffnungstermin im Oktober 2020 bestätigt. Allerdings ohne zu verraten, ob das vor oder nach dem 25. Oktober, dem Inkrafttreten des Winterflugplans, der Fall wäre. Zudem wäre es ein Novum, wenn ein Flughafen im Winter eröffnet werden würde. Der BER-Konjunktive gibt es viele.

+++ BBI/BER-Baubeginn: 5. September 2006 +++

Wir kommen uns dann immer ziemlich unhöflich vor, wenn wir darauf hinweisen, dass zwar die Wunderkerzen auf der Sahnetorte brennen, also Terminal und Gangways beleuchtet sind, aber die Flughafeneröffnung immer noch nicht absehbar ist und dass am BBI/BER seit dem 5. September 2006, also seit 4.379 Tagen, gebaut wird.

Der Herr Wilmsen aus München soll nun zukünftig "die Vorbereitungen zur Gründung einer Projektgesellschaft übernehmen, die wichtige Hochbauprojekte des Masterplans (BER 2040) am BER umsetzen soll. Das zentrale Projekt der aufzubauenden Projektgesellschaft soll der Bau des Terminal T3 sein, das bis Ende 2025 den Betrieb des jetzigen Flughafens Schönefeld ablösen soll."

Und: "Der Aufsichtsrat hat sich auch erneut mit dem Thema Finanzierung beschäftigt. Nach den Vorarbeiten aus den letzten Aufsichtsratssitzungen gibt es einen Fahrplan für eine geschlossene Gesamtfinanzierung." Das hört sich alles nach einem gelungenen Kindergeburtstag an, alle freuen sich, alles blinkt. Leider sieht die Realität dann doch etwas anders aus.


Schon damals etwas zerknittert: Ab 2013 hieß das, was vorher "Single-Airport-Konzept" hieß, "One-Roof-Konzept", nun "BER 2040"

+++ Zeit und Geld +++

Aus unserem gut sortierten Archiv haben uns folgende Zitate angelächelt: "BBI ist 2008 fertig. Der Zeitplan wird eingehalten, egal welcher Weg gegangen wird," Matthias Platzeck, brandenburgischer Ministerpräsident, Berliner Morgenpost 26.3.2003. Und: "Man muss jedenfalls auf keinen Fall um jeden Preis pünktlich sein – wir arbeiten ja mit öffentlichem Geld," Matthias Platzeck, brandenburgischer Ministerpräsident, dpa 6.6.2010.

Das sind wohl zeitlos gültige Worte für den BBI/BER. Und offensichtlich können für ein politischen Projekt auch immer wieder neue Mittel beschafft werden, auch wenn bisher schon ca. 7,3 Mrd. Euro an Steuergeldern verbraucht bzw. verplant worden sind.  

+++ Alte Köpfe/Neue Köpfe +++

Wir möchten auch daran erinnern, dass der alte "Wilmsen", Jörg Marks, vom journalistischen Buddy der Berlin-Brandenburger Flughafenpolitik, dem Tagesspiegel, am 15.12.2014 seinen Lesern mit den folgenden Worten vorgestellt wurde: "Dass die Rücktrittsankündigung des Geschäftsführers der Flughafengesellschaft, Hartmut Mehdorn, ziemlich sicher keine Auswirkungen auf die Bautätigkeit am Flughafen haben werde." Begründung: "Um den Bau kümmert sich seit Sommer der Ex-Siemens-Manager Jörg Marks." Offensichtlich reichte auch das nicht aus.

Alte Köpfe, neue Köpfe, mal in der Geschäftsführung, mal in den Ressorts, ein Vorgang der sich seit Jahren routinemäßig wiederholt, ohne dass sich die Effektivität der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB) gesteigert hätte und der Flughafen damit seiner Inbetriebnahme näher gekommen wäre. Man hat daher immer wieder den Eindruck, dass mit dem neuen Personal allein zukünftige Sündenböcke beschafft werden, die vom Versagen der öffentlichen Eigentümer und politischen Entscheider ablenken sollen.      

+++ Kabel +++  

Und wieder machen die BER-Kabelstränge Probleme. Am 13.12.2013 schrieben wir: "So wird in Luftfahrtkreisen gemutmaßt, dass die gesamte Verkabelung wieder herausgerissen und neu verlegt werden müsste, um "das Ding endlich zum Laufen zu bringen", so ein Insider. Man vermutet, dass die Kabelstränge für die notwendige elektrische Leistung einen zu geringen Querschnitt aufweisen – und deshalb ungeeignet sind. Diese z.T. in Beton eingegossenen Leitungen müssten daher per Presslufthammer ausgetauscht werden." Mangels notwendiger Baupläne mussten die Kabel zudem per Metalldetektoren aufgespürt werden. Berechnungen ergaben außerdem, dass bei elektrischer Volllast unzulässig hohe Temperaturen entstehen würden.

Die erneut auftauchenden Kabel-Probleme erwecken leider erneut den Verdacht, dass es an einer professionellen Bauleitung und Baudokumentation fehlt. 2014 kritisierte der damalige BER-Immobilienleiter, Harald Siegle, in einem internen Schreiben, dass "technische Projektleitung in Mehrfachfunktion als Auftraggeber, Auftragnehmer und Planer(!)" existieren würde.

Und: "Derzeit werden noch immer Bauleistungen ohne ausreichende Planungsgrundlage durchgeführt. Dies hat zur Folge, dass bereits durchgeführte Bauleistungen erneut verändert werden müssen, da durch neue Erkenntnisse im Projektablauf die bereits durchgeführten Sanierungsarbeiten sich im Nachhinein als mangelhaft erweisen."

Und: "Eine Gesamtterminschätzung erfolgt heuristisch/kumulativ durch Zusammenfügen der Modultermine ohne ausreichend qualifizierte Berücksichtigung der fachlichen und funktionalen Abhängigkeiten."   

Man wäre nicht überrascht, wenn diese Einschätzungen auch für 2018 ff. zutreffen würden.

Herzlichst

Ihr Wolfgang Przewieslik


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